Änderungen in der Pflege ab Januar 2022

Am 1. Januar 2022 ist die Pflegereform 2021 in Kraft getreten. Ziel ist es, die h├Ąusliche Pflege finanziell besser zu unterst├╝tzen. Von der urspr├╝nglich geplanten umfassenden Pflegereform wurden nur einige Vorschl├Ąge umgesetzt. So gibt es f├╝r Pflegebed├╝rftige und ihre Angeh├Ârigen nur geringf├╝gige Verbesserungen in verschiedenen Bereichen der Pflege. Der folgende Beitrag zeigt auf, welche Erleichterungen bei den Pflegesachleistungen, der Kurzzeitpflege und den Heimkosten zu erwarten sind.
Ab Januar 2022 steigen die Anspr├╝che auf Pflegesachleistungen um f├╝nf Prozent. F├╝r Pflegebed├╝rftige, die eine Kombinationspflege in Anspruch nehmen, bedeutet dies, dass sie monatlich mehr Pflegegeld erhalten. Au├čerdem k├Ânnen mit der Reform bis zu 40 Prozent des nicht ausgesch├Âpften Pflegesachleistungsbetrags ohne gesonderten Antrag f├╝r Entlastungsleistungen verwendet werden. Bitte beachten: Das Pflegegeld wird 2022 nicht erh├Âht. Von der Erh├Âhung der Sachleistungen profitieren nur diejenigen, die einen ambulanten Pflegedienst f├╝r die h├Ąusliche Pflege in Anspruch nehmen. Pflegebed├╝rftige, die ohne professionelle Hilfe gepflegt werden, gehen leer aus.
Die Pflegereform 2021 sieht auch eine Erh├Âhung des j├Ąhrlichen Leistungsbetrags f├╝r die Kurzzeitpflege vor. Ab dem Jahreswechsel steigt dieser um zehn Prozent von bisher 1.612 Euro auf 1.774 Euro. Damit stehen Pflegebed├╝rftigen im Jahr 2022 monatlich 162 Euro mehr zur Verf├╝gung. Auch hier ist kein gesonderter Antrag erforderlich. Bitte beachten: Eine ├ťbertragung der erh├Âhten Kurzzeitpflege auf die Verhinderungspflege ist nicht m├Âglich. Das hei├čt, es k├Ânnen nur 50 Prozent der nicht in Anspruch genommenen Kurzzeitpflege auf die Verhinderungspflege ├╝bertragen werden. Der maximal m├Âgliche Betrag betr├Ągt 806 Euro. Pflegebed├╝rftige der Pflegegrade 2 bis 5 k├Ânnen also zus├Ątzlich zu den 1.612 Euro der Verhinderungspflege bis zu 806 Euro der Kurzzeitpflege in Anspruch nehmen. Insgesamt ergibt sich somit ein H├Âchstbetrag von 2.418 Euro.

Ab Januar 2022 erhalten Bewohner von Pflegeheimen von der Pflegeversicherung zus├Ątzlich zu den Pflegekosten (┬ž 32 SGB XI) einen „Leistungszuschlag zum pflegebedingten Eigenanteil“. Dieser Zuschlag steigt mit der Dauer des station├Ąren Aufenthaltes wie folgt:

  • Erstes Jahr: 5 Prozent
  • Zweites Jahr: 25 Prozent
  • Drittes Jahr: 45 Prozent
  • ab dem vierten Jahr: 70 Prozent

Um den Zuschuss zu erhalten, muss kein Antrag bei der Pflegekasse gestellt werden. Diese rechnet den Zuschuss direkt mit dem jeweiligen Pflegeheim ab.

Zu beachten ist, dass der Zuschuss nur die Heimkosten reduziert. Weitere Kosten wie Entgelte f├╝r Unterkunft und Verpflegung sowie Investitionskosten werden von der Pflegeversicherung nicht ├╝bernommen und m├╝ssen weiterhin selbst getragen werden.

Hinweis: Bei der Berechnung des Zuschusses wird die bereits im Pflegeheim verbrachte Zeit ber├╝cksichtigt. Das hei├čt, wer am 01.01.2022 bereits sechs Jahre in einem Pflegeheim untergebracht ist, erh├Ąlt den h├Âchstm├Âglichen Zuschlag von 70 Prozent.

Bisher war es m├Âglich, dass 40 Prozent der ungenutzten Pflegesachleistungsbetr├Ąge in Entlastungsleistungen umgewandelt werden konnten. Ab Januar 2022 haben Sie den Vorteil, dass Sie hierf├╝r keinen Antrag mehr stellen m├╝ssen. Die Umwandlung der nicht genutzten Pflegesachleistungen in Entlastungsleistungen bei der Pflegekasse ist ab sofort ohne separate Beantragung m├Âglich.
Ab Januar 2022 erhalten Pflegefachkr├Ąfte mehr Entscheidungsbefugnisse bei der Auswahl und Verordnung von Pflegehilfsmitteln. Ziel der ├änderung ist es, die Hilfsmittel schneller und effizienter dorthin zu bringen, wo sie ben├Âtigt werden. Bisher konnten nur der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK), der behandelnde Arzt oder ein Krankenhausarzt Pflegehilfsmittel verordnen. Pflegefachkr├Ąfte sind nun berechtigt, im Rahmen ihrer Leistungserbringung (┬ž┬ž 36 und 37 SGB V, 37c SGB V) sowie im Rahmen der Beratung (┬ž 37 Abs. 3 SGB XI) konkrete Empfehlungen f├╝r Pflegehilfsmittel auszusprechen. Durch diese Neuregelung ist eine ├Ąrztliche Verordnung nicht mehr erforderlich. Hinweis: Bitte achten Sie bei der Beantragung eines Hilfsmittels bei der Krankenkasse auf das Ausstellungsdatum der Empfehlung. Die Empfehlung der Pflegefachkraft darf nicht ├Ąlter als 14 Tage sein.
Ab Januar haben Personen mit einer Pflegestufe die M├Âglichkeit, sich die Kosten f├╝r die Anschaffung einer digitalen Pflegeanwendung (DiPa) erstatten zu lassen. Der Anspruch betr├Ągt maximal 50 Euro pro Monat. Eine digitale Pflegeanwendung ist eine Anwendung, die Pflegebed├╝rftige und Pflegende im Pflegealltag unterst├╝tzen kann.
Nach einem Krankenhausaufenthalt haben Patienten Anspruch auf ├ťbergangspflege im Krankenhaus, wenn keine Versorgung durch Pflegeleistungen (SGB XI), Kurzzeitpflege, Rehabilitation oder h├Ąusliche Krankenpflege erfolgt. Nach ┬ž 39 SGB V betr├Ągt die Dauer der ├ťbergangspflege maximal zehn Tage. Das behandelnde Krankenhaus ist somit verpflichtet, die betroffenen Patienten f├╝r insgesamt zehn Tage weiter zu behandeln und nicht wie bisher entweder nach Hause oder in eine andere Einrichtung zu entlassen. In diesem Rahmen ist das Krankenhaus verpflichtet, den Patienten mit allen notwendigen Medikamenten und Hilfsmitteln zu versorgen und sowohl die Grund- als auch die Behandlungspflege einschlie├člich der Aktivierung des Patienten zu ├╝bernehmen. Die Kosten der ├ťbergangspflege werden nicht von der Pflegekasse, sondern von der Krankenkasse ├╝bernommen. Die Kosten umfassen nicht nur die pflegerische und medizinische Versorgung, sondern auch Unterkunft und Verpflegung.
Ab Januar 2022 haben Pflegebed├╝rftige – unabh├Ąngig von einer Pflegestufe – einen Anspruch auf Pflegeberatung. Dieser Anspruch richtet sich an die Pflegeversicherung, die innerhalb von zwei Wochen einen Ansprechpartner zur Verf├╝gung stellen muss. Dieser ist sowohl f├╝r die Pflegeberatung als auch f├╝r die weiteren Leistungen der Pflegeversicherung zust├Ąndig. Dazu geh├Âren alle g├Ąngigen Leistungen wie Pflegesachleistungen und wohnumfeldverbessernde Ma├čnahmen. Kann die Pflegekasse diesen Anspruch nicht erf├╝llen, ist sie verpflichtet, dem Versicherten eine Beratungsstelle zu benennen.
Mit der Pflegereform 2021 erl├Âschen Kostenerstattungsanspr├╝che nach dem SGB XI nicht mehr mit dem Tod des Pflegebed├╝rftigen. Leistungen, die bis zum Todestag nicht in Anspruch genommen wurden, k├Ânnen noch bis zu 12 Monate danach geltend gemacht werden. Diese Regelung betrifft verschiedene Leistungen wie z.B. Verhinderungspflege, Entlastungsleistungen und wohnumfeldverbessernde Ma├čnahmen.
Ziel der Pflegereform 2021 ist es, Pflegebed├╝rftige und pflegende Angeh├Ârige finanziell besser zu stellen und damit die Pflege zu Hause zu erleichtern. Die Anhebung der Pflegesachleistungen sowie des Zuschusses f├╝r die Kurzzeitpflege sind die wohl gr├Â├čten Ver├Ąnderungen bei den Pflegeleistungen. Zudem kann die Pflegesachleistung nun einfacher in eine Entlastungsleistung umgewandelt werden. Ab Januar k├Ânnen Pflegefachkr├Ąfte auch Pflegehilfsmittel ausw├Ąhlen und verordnen, was letztlich den Pflegebed├╝rftigen zugute kommt. Leichte Verbesserungen gibt es auch f├╝r Pflegebed├╝rftige in Pflegeheimen. Sie erhalten ab Januar 2022 h├Âhere Zusch├╝sse zu ihrem Eigenanteil an den Pflegeheimkosten. Au├čerdem steht Pflegebed├╝rftigen und Pflegepersonen ein monatliches Budget von 50 Euro f├╝r die Anschaffung digitaler Pflegeanwendungen zur Verf├╝gung. Sollten Sie weitere Fragen zu den einzelnen Leistungsverbesserungen haben, stehen wir Ihnen gerne in einem pers├Ânlichen Beratungsgespr├Ąch rund um das Thema Pflege und die neue Pflegereform zur Verf├╝gung.

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